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Vollfinanzierung: Was ist das und wann lohnt sie sich?

Bei einer Vollfinanzierung wird der Kaufpreis einer Immobilie vollständig über ein Bankdarlehen finanziert – ohne eigenes Eigenkapital. Was dahintersteckt, für wen das sinnvoll ist und worauf man achten sollte, erklärt dieser Artikel.

Was bedeutet Vollfinanzierung genau?

Der Begriff Vollfinanzierung beschreibt eine Immobilienfinanzierung, bei der kein eigenes Eigenkapital eingebracht wird. Die Bank stellt das gesamte benötigte Kapital als Darlehen zur Verfügung. Dabei gibt es zwei Varianten:

  • 100%-Finanzierung: Der Kaufpreis wird vollständig durch das Darlehen gedeckt. Die Kaufnebenkosten (Grunderwerbsteuer, Notar, Makler) muss der Käufer aus eigener Tasche bezahlen.
  • 110%-Finanzierung: Kaufpreis und sämtliche Nebenkosten werden mitfinanziert. In diesem Fall ist tatsächlich kein Eigenkapital erforderlich.

Beim klassischen Bankmodell werden in der Regel nur 80 Prozent des Kaufpreises finanziert. Alles darüber hinaus erfordert entweder Eigenkapital oder wird als erhöhtes Risiko eingestuft – mit entsprechenden Zinsaufschlägen.

Für wen ist eine Vollfinanzierung sinnvoll?

Eine Vollfinanzierung ist nicht für jeden geeignet – aber für bestimmte Personengruppen kann sie die richtige Lösung sein:

  • Junge Berufstätige mit gutem, gesichertem Einkommen, die noch keine Zeit hatten, Ersparnisse aufzubauen
  • Personen mit unbefristeter Anstellung oder Beamtenstatus, die eine sehr gute Einkommenssicherheit vorweisen können
  • Käufer in Niedrigpreisregionen, in denen das Verhältnis aus Kaufpreis und Einkommen besonders günstig ist – etwa in ländlichen Teilen Sachsens
  • Käufer mit niedrigen laufenden Verpflichtungen, die eine hohe monatliche Rate problemlos tragen können

Welche Voraussetzungen stellen Banken?

Da das Risiko für die Bank bei einer Vollfinanzierung höher ist, werden die Anforderungen an den Kreditnehmer entsprechend strenger geprüft:

  • Bonität: Einwandfreie Schufa-Auskunft, keine negativen Einträge
  • Einkommen: Stabiles, nachweisbares Einkommen über mindestens 2 bis 3 Jahre
  • Arbeitsverhältnis: Unbefristete Anstellung oder nachweislich stabile Selbstständigkeit
  • Objektqualität: Die Immobilie muss bankseitig positiv bewertet werden – Lage, Zustand und Marktwert spielen eine wichtige Rolle
  • Tragbarkeit: Die monatliche Rate sollte in einem vertretbaren Verhältnis zum Nettoeinkommen stehen (Faustregel: max. 35–40%)

Risiken der Vollfinanzierung – ehrlich betrachtet

Eine Vollfinanzierung ist keine risikofreie Lösung. Wer sich für diesen Weg entscheidet, sollte folgende Punkte kennen:

  • Höhere monatliche Rate: Da das gesamte Kapital fremdfinanziert ist, fällt die monatliche Belastung höher aus als bei einer Teilfinanzierung mit Eigenkapital.
  • Zinsaufschlag: Banken verlangen bei hohem Beleihungsauslauf in der Regel einen Risikoaufschlag auf den Zinssatz.
  • Kein Puffer bei Wertverlusten: Sinkt der Immobilienwert, kann das Darlehen den Immobilienwert übersteigen – die sogenannte „negative Eigenkapitalposition“.

Diese Risiken lassen sich durch kluge Vertragsgestaltung reduzieren: Eine möglichst hohe Anfangstilgung (mindestens 2–3%), ein vereinbartes Sondertilgungsrecht und eine realistische Kostenkalkulation helfen, langfristig auf der sicheren Seite zu bleiben.

Vollfinanzierung in Sachsen – Besonderheiten

In Sachsen sind die Immobilienpreise – insbesondere in ländlichen Regionen und Mittelstädten – im Vergleich zu westdeutschen Ballungsräumen noch vergleichsweise moderat. Das verbessert das Verhältnis zwischen Darlehenssumme und Immobilienwert und kann die Chancen auf eine Vollfinanzierung erhöhen. Auf unserer Regionen-Übersicht finden Sie spezifische Informationen für einzelne Städte und Landkreise.

Häufige Fragen zur Vollfinanzierung

Was ist der Unterschied zwischen 100% und 110% Finanzierung?

Bei der 100%-Finanzierung wird nur der Kaufpreis durch das Darlehen gedeckt – die Nebenkosten (Grunderwerbsteuer, Notar etc.) muss der Käufer selbst aufbringen. Bei der 110%-Finanzierung werden auch diese Nebenkosten mitfinanziert, sodass kein eigenes Kapital benötigt wird.

Sind Zinsen bei einer Vollfinanzierung höher?

In der Regel ja. Da der Beleihungsauslauf bei einer Vollfinanzierung höher ist, verlangen Banken meist einen Risikoaufschlag. Dieser kann je nach Bank und Situation zwischen 0,2 und 0,8 Prozentpunkten liegen.

Kann ich trotz Vollfinanzierung Sondertilgungen leisten?

Ja, wenn das Sondertilgungsrecht im Darlehensvertrag vereinbart wurde. Viele Banken bieten die Möglichkeit, jährlich 5 bis 10 Prozent der Darlehenssumme zusätzlich zurückzuzahlen – ohne Vorfälligkeitsentschädigung.

Brauche ich bei einer Vollfinanzierung trotzdem Rücklagen?

Das ist sehr empfehlenswert. Auch wenn kein Eigenkapital für den Kauf benötigt wird, sollte ein finanzieller Puffer für unerwartete Reparaturen oder Einkommensausfälle vorhanden sein. Faustregel: 2 bis 3 Monatsgehälter als Liquiditätsreserve.

Wie lange läuft eine Vollfinanzierung?

Die Laufzeit hängt von der Darlehenssumme, dem Zinssatz und der Tilgungsrate ab. Bei 2% Anfangstilgung und moderatem Zinsniveau ergibt sich oft eine Gesamtlaufzeit von 25 bis 35 Jahren. Eine höhere Tilgungsrate verkürzt die Laufzeit spürbar.

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